Plastikfreie Sockenwolle – Auntie Plastique von Countess Ablaze

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Dies ist ein Beitrag für mein plastikfreie Sockenwolle Experiment, für das ich mich durch verschiedene Sockengarne teste, die ohne Poly/Nylon-Beimischung auskommen. Für eine Übersicht zu dem Thema und eine Liste der bereits von mir getesteten Garne könnt ihr hier nachlesen: KLICK.

Auch bei einigen Handfärber:innen findet man manchmal Sockengarne, die ohne Beimischung von Plastik auskommen. Hier würde ich mich ja freuen, wenn das ein wenig Schule machen würde und mehr Färber:innen ihr Sortiment dahingehend erweitern – damit mehr Auswahl an spannenden Garnen erhältlich ist, ohne dass man lange danach suchen muss. Aber wenn wir so etwas wollen, liegt es auch an uns, Nachfrage zu schaffen. Wenn wir nicht entsprechend nachfragen und uns auch mal trauen, Garn abseits des üblichen Merino oder der 75/25 Sockenmischung zu kaufen, wird sich das Angebot nicht ändern. Also fragt ruhig bei den Handfärber:innen eures Vertrauens nach, wenn ihr euch spezielles Garn (plastikfrei, andere Schafrassen, non-superwash,….) wünscht – nur so besteht die Chance, dass sich das Angebot vielleicht erweitert.

Eine Färberin, die eine plastikfreie Sockenbasis im Angebot hat, ist Countess Ablaze. Ich schätze sie sehr für ihre knalligen, lauten Färbungen und noch mehr für ihre mir sehr sympathische Geschäftsphilosophie. Sie achtet sehr auf ihre Mitarbeiter:innen und hat sich als „living wage employer“ zertifizieren lassen. Das heißt, sie zahlt ihren Angestellten nicht nur den Mindestlohn, sondern tatsächlich ein Gehalt, von dem man leben kann, das die tatsächlichen Lebensunterhaltskosten in der Region berücksichtigt (find ich ein super Konzept, mehr Infos findet man hier: KLICK).

Das plastikfreie non-superwash Sockengarn, das man bei Countess Ablaze finden kann, trägt bei ihr den Namen „Auntie Plastique“. Es ist eine 50/50 Mischung aus Corriedale Schaf und Mohair. Corriedale ist eine Schafrasse, die ursprünglich in Neuseeland und Australien entwickelt wurde. Sie entstand durch Kreuzungen von Merino Schafen mit anderen Schafrassen. Heraus kamen Schafe mit Wolle, die für die meisten Menschen gut auf der Haut tragbar ist, die aber wesentlich mehr aushält als feine Merino-Wolle. Daher ist sie für Socken sehr gut geeignet. Corriedale Schafe haben mittlerweile übrigens ein wenig die Welt erobert. Laut dem Fleece and Fiber Sourcebook * – einer wirklich empfehlenswerten Übersicht von verschiedenen Schafrassen und deren Wolleigenschaften – ist Wolle aus Südamerika zum überwiegenden Teil von Corriedale Schafe. Und auch auf den Falkland Inseln soll Corriedale die dominante Rasse sein. Viele von uns stricken daher wahrscheinlich durchaus öfter mal mit Corriedale Wolle, ohne es zu wissen, da aufgrund der EU Textilkennzeichnungsverordnung auf Banderolen oftmals nur „Wolle“ angegeben ist.

Neben der Wahl der recht robusten Schafwolle ist es auch der Mohair-Anteil, der die Auntie Plastique super sockentauglich macht. Mohair wird auch das Nylon der Natur genannt und ist unheimlich strapazierfähig – es wird sogar für Teppiche benutzt, auf denen man den ganzen Tag herumlatscht!

Das enthaltene Mohair hat natürlich Einfluss auf die Optik der Socke. Das muss man mögen. Durch den recht hohen Mohairanteil hat das Garn schon Ansätze des typischen Flausch-Looks, der durch das Tragen an belasteten Stellen noch deutlicher zutage tritt (der Flauscheffekt ist aber nicht so stark wie bei einem klassischen Mohair-Seide Garn). Der Flausch ist aber nicht so extrem, so dass ich mimr durchaus vorstellen kann, mit diesem Garn auch Mustersocken zu stricken. Ich habe aus meinem Garn einfach Stinos gestrickt.

Für das stricken mit Sockengarn mit Mohair-Beimischung sollte man beachten, dass Mohair im Gegensatz zu Wolle keinerlei Elastizität mitbringt, sprich: der Faden gibt null nach, je nachdem wie hoch der Mohair Anteil im Garn ist. Das Stricken kann dadurch etwas anstrengend werden und bei mir wirkte auch das glatt rechte Maschenbild dadurch etwas unruhig. Das hat sich nach dem Waschen weitgehen gegeben, ein bisschen sieht man es immer noch, aber nicht so, dass es mich stören würde. Ich habe meine Socken mit 2mm Nadeln gestrickt und würde für das nächste Paar eventuell sogar auf 1,5mm runter gehen.

Die fehlende Elastizität des Garns macht sich auch in der fertigen Socke bemerkbar. Sie ist, zumindest nach meinem Empfinden, etwas weniger dehnbar als Schafwollsocken, was sich beim Anziehen bemerkbar macht, das ein wenig mühsamer ist (ich stricke meine Socken aber auch nach der Fish Lips Kiss Heel Methode [Achtung ravelry Link] so, dass sie fast wie eine zweite Haut am Fuß sitzen, also von sich aus sehr viel Minderweite/negative ease haben). Aber einmal am Fuß fühlen sich diese Socken wirklich fantastisch an. Und es sind die wärmsten Socken, die ich besitze. Ich war bezüglich des Mohairs ja wirklich skeptisch, da ich Angst hatte, das könnte an den Füßen unangenehm sein. Aber das Gegenteil ist der Fall: Das Mohair kratzt nicht, ich fühle auch den Flausch beim Tragen nicht, die Socken sind einfach nur super angenehm.

Mohair in Socken ist für mich ein super Ersatz für Nylon. Ich habe meine Auntie Plastique Socken ab Herbst regelmäßig getragen und bis auf die Tatsache, dass sich an einigen Stellen der Mohair-Flausch etwas deutlicher zeigt, sehen sie aus wie direkt nach dem Abketten (auf den Fotos sind die Socken schon etwa 3 bis 4 Monate regelmäßig getragen worden). Dass sich so ein paar „Flauschknödel“ an der Socke bilden ist erwartbar an den Stellen, an denen viel Reibung passiert. Das ist kein Qualitätsmangel. Sie lassen sich einfach rauszupfen.

Dieses Sockenpaar ist auch eines der Paare, bei denen ich sehr sicher bin, dass sich hier keine Löcher reinlaufen werden. Ob das stimmt wird erst der Langzeittest zeigen, aber für mich war die Sockenwolle mit Mohair eine meiner besten Garn-Entdeckungen. Ich kann euch nur ermutigen, es selbst einmal auszuprobieren!

Falls hier Handfärber:innen mitlesen: Die Garnbasis gibt es bei Laxtons als Rohwolle zum Färben: KLICK. Ich würde mich freuen, dieses Garn auch bei einigen deutschen Färber:innen im Sortiment zu sehen.

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