Plastikfreie Sockenwolle – Ystwyth von Garthenor

https://feierabendfrickeleien.com/plastikfreie-socken-stricken-garnalternativen-und-stricktipps/Dies ist ein Beitrag für mein plastikfreie Sockenwolle Experiment, für das ich mich durch verschiedene Sockengarne teste, die ohne Poly/Nylon-Beimischung auskommen. Für eine Übersicht zu dem Thema und eine Liste der bereits von mir getesteten Garne könnt ihr hier nachlesen: KLICK.

Das Wichtigste vorneweg: Ich habe ein wenig gegoogelt und glaube, der Name dieses grandiosen Sockengarns wird in etwa so ausgesprochen: KLICK. Walisische Wörter sind da ja manchmal etwas tricky – ich find das immer spannend und dachte, das interessiert euch vielleicht auch.

Ystwyth ist ein Fluss in einer walisischen Grafschaft – und der Name des ersten Sockengarnes, das das kleine Label Garthenor in 2020 auf den Markt gebracht hat: KLICK. Falls ihr Garthenor noch nicht kennt: Schaut dort unbedingt einmal vorbei. Garthenor ist ein kleines Unternehmen mitten in Wales, das seit 1999 bio-zertifizierte Wolle produziert. Das ist schon an sich beeindruckend, aber dieses kleine walisische Unternehmen hat tatsächlich daran mitgewirkt, einen einheitlichen Bio-Standard für Wolle zu schaffen, den es 1999, als sie mit der Produktion begannen, noch gar nicht gab. Garthenor hat an den Standards mitgeschrieben, die zugrunde liegen, wenn ein Strickwollprodukt GOTS (Global Organic Textile Standard) zertifiziert wird. Hier kann man schon sehen, wie sehr Garthenor Nachhaltigkeit, Tierwohl, umweltfreundliche Produktionsweisen etc am Herzen liegen. Jede Wollsorte, die das Team herstellt, ist selbstverständlich GOTS zertifiziert und ich bin immer wieder beeindruckt, wenn ich dran denke, dass so ein kleines lokales Unternehmen aus Wales darauf hingewirkt hat, einen weltweit gültigen GOTS Standard für Wolle zu schaffen.

Wer bei seinen Strickstücken auf Nachhaltigkeit wert legt, sollte sich unbedingt mal bei Garthenor umschauen. Vor einiger Zeit hat sich das Team sogar dazu verpflichtet, für jeden verkauften Wollstrang einen Baum zu pflanzen. Außerdem führt der Shop sehr spannende „breed specific“ Garne, also Garne, die Wolle einer einzigen Schafrasse enthält, die abseits von den üblichen verdächtigen Merino und Co ist. Die Wolle für die Garne wird lokal in Großbritannien von meist kleinen Herden gewonnen. Besonders schön finde ich: Wenn man bei Garthenor Wolle shoppt, bekommt man eine Postkarte mit einer Landkarte Großbritanniens, auf der angekreuzt ist, aus welchen Gegenden die Schafherden kommen, aus deren Wolle das Garn gesponnen wurde, das man gerade in der Hand hält.

Ihr seht schon, ich bin ein ziemlicher Fan von Garthenor. Lange Zeit hat aber eine Sache im Sortiment gefehlt: Sockenwolle! Ich hatte immer drauf gehofft, dass das Team dort endlich ein spannendes Sockengarn rausbringt und 2020 war es soweit: Ystwyth wurde geboren!

Ich hatte von Garthenor etwas Spannendes erwartet und wurde nicht enttäuscht. Nicht nur, dass das Garn 100 Prozent Schafwolle enthält – und dann auch noch von zwei traditionellen walisischen Schafrassen Llanwenog (weißes Sockengarn) und Black Welsh Mountain (schwarzes Sockengarn) – nein, sie haben auch noch ein Dochtgarn daraus gemacht! Dochtgarn, im Englischen Singles genannt, ist ein Garn, das aus einem einzigen gesponnenen Faden besteht. Klassische Garne, vor allem Sockengarne sind normalerweise verzwirnte Garne und bestehen aus mehreren Fäden. Daher stammen auch die deutschen Bezeichnungen für die Stärke der Sockengarne: 4fach Garn besteht aus 4 miteinander verzwirnten Fäden, 6fach Garn aus 6 verzwirnten Einzelfäden usw.

Bei Dochtgarn denkt man normalerweise nicht als erstes an Socken, denn sie gelten als relativ empfindlich, da die zusätzliche Stabilität durch die Verzwirnung fehlt. Dochtgarn kann aber durchaus sockentauglich sein, wenn es „richtig“ gesponnen wird. Um stabil genug für Socken zu sein, muss das Garn mit sehr viel Drall gesponnen werden, damit die einzelnen Fasern möglichst kompakt und eng aneinander liegen und wenig Schachstelle für Reibung bieten. Genau so ist Ystwyth konstruiert. Man sieht schon dem Strang an, dass sehr viel Drall auf dem Faden ist: Das Knäuel wirkt unruhig, das Garn kräuselt sich und liegt nicht entspannt da. Das ist ein Zeichen, dass da mit sehr viel Drall gesponnen wurde.

Je mehr Drall auf einem Faden ist, desto härter fühlt er sich an – logisch, denn er wird ja fester und steifer, je mehr Drall reingesponnen wird. Auf den ersten Griff könnte die Ystwyth daher für den einen oder die andere etwas abschrecken wirken. Es ist kein schmuseweiches Merinogarn. Für mich fühlt sich das Garn aber auch nicht unangenehm oder kratzig an. Es ist etwas fester im Griff und deutlich wollig. An den Füßen empfinde ich das Garn als angenehm – es ist sehr warm und wird durch Waschen und Tragen auch noch weicher.

Dochtgarne neigen gerne mal zum Pillen und Anfilzen. Durch den vielen Drall hat Garthenor dem ein Stück weit entgegengewirkt. Ich rechne damit, dass das Garn an den am meisten belasteten Stellen etwas anfilzen wird. Das ist in diesem Fall aber überhaupt nicht schlimm und in Teilen sogar erwünscht, denn angefilzte Stellen an Fußsohle oder Ferse bringen zusätzliche Stabilität und laufen sich nicht so schnell durch. Dies ist also neben einer „stärkenden“ Beimischung zur Wolle eine andere Möglichkeit, plastikfreie Sockenwolle möglichst haltbar zu machen – und auch Sockenwolle aus 100 Prozent Schafwolle herzustellen.

Ich habe mir die Ystwyth Sockenwolle in weiß und schwarz gekauft, denn ich wollte beide Schafrassen testen. Verstrickt habe ich bisher weiß, also das Garn aus Llanwenog Wolle. Gestrickt habe ich die Jili Socken aus dem Sockenbuch vom Laine Magazin. Das plastische Muster kommt mit dem Dochtgarn sehr schön raus und die Socken tragen sich sehr angenehm. Auch diese Socken trage ich bereits regelmäßig seit Herbst 2020 und es zeichnen sich bisher weder Löcher noch dünne Stellen ab. Auch gefilzt ist noch nichts und das Pilling beschränkt sich auf den für Socken üblichen Rahmen (bei mir pillt jedes Sockengarn eher früher als später an der Ferse – da ist es halt auch wirklich Reibung ausgesetzt…). Gewaschen werden auch diese Socken im Wollwaschgang in der Waschmaschine. Das können sie super ab. Aus der schwarzen Variante der Ystwyth werde ich noch Stinos stricken, um für den Langzeittest eine bessere Vergleichbarkeit zu haben. Da habe ich leider zu spät dran gedacht. Die ersten plastikfreien Socken haben alle noch Muster. Wenn ich die Stinos gestrickt habe (das kann noch dauern), werde ich diesen Beitrag hier entweder ergänzen, oder einen zweiten Post verfassen, bei dem ich vielleicht noch ein bisschen auf die verwendeten Schafrassen eingehe. Bleibt gespannt, das Material geht mir so schnell nicht aus!

2 Kommentare

  1. Sehr informativer Artikel. Ich werde gleich mal auf der Seite von Garthenor schauen. Bin immer an plastikfreier Wolle interessiert und danke für diesen anregenden Test

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