Scéal Grá Pulli aus Wolle vom Jakobschaf

2020 hatte ich mir ja zum Ziel gesetzt, Wolle abseits der üblichen Merino-Pfade zu entdecken. Es gibt einfach so viele tolle, spannende Garne da draußen und viele Produzent:innen und Färber:innen, die solche Garne mit Herzblut herstellen. Eine davon ist Emma von Woolly Mammoth Fibres. Emma ist nicht nur meine absolute Pflanzenfärbe-Göttin (ernsthaft, versucht mal, ein Update von ihr zu erwischen und schaut euch die traumhaften Färbungen an!), sie ist auch sehr leidenschaftlich wenn es darum geht, lokale und regionale Garne zu produzieren. Emma kauft regelmäßig die Vliese von Schafherden aus ihrer Region auf und lässt daraus Garne nach ihren eigenen Vorstellungen spinnen.

Daher bietet Emma auch immer wieder „Limited Edition“ Garne an, denn da diese meistens von einer einzigen Schafherde stammen ist deren Anzahl natürlicherweise stark begrenzt. Eines dieser Limited Edition Garne ist das reine Jacob-Garn, dass sie jeweils im Winter 2019 und 2020 heraus gebracht hat (und ich hoffe stark, dass sie das Garn auch dieses Jahr wieder produzieren wird).

Jacob-Schafe sind eine traditionelle englische Schafrasse, die aufgrund ihres beeindruckenden Aussehens (die Schafe können bis zu sechs Hörner haben) früher oft zur Zierde auf großen Anwesen gehalten wurden. Wer was auf sich hielt und die entsprechende Kohle hatte, schaffte sich eine Herde Jacob-Schafe an, die das Auge beim flanieren über das Anwesen erfreuen sollten.

Jacob-Schafe sind aber nicht nur durch ihre Hörner besonders, sondern auch durch ihr Vlies. Das ist nämlich mehrfarbig, quasi multicolor und enthält Farben von weiß, grau, braun zu schwarz. Die Farben kann man nach dem Scheren entweder fein säuberlich trennen und jeweils „reine“ weiße, braune, graue etc. Wolle herstellen, oder man kardiert alles zusammen, so dass ein Mischton entsteht. Emmas Wolle enthält das komplette Vlies, also alle Farben. Das Garn hat dadurch einen wunderschönen warmen Grauton, der je nach Licht leicht bräunlich wirkt. Da das Garn eine so wunderschöne natürliche Farbe hat, ist dies die einzige Limited Edition Wolle von Emma (abgesehen von einer Mini Charge Alpaca) die sie ausschließlich ungefärbt anbietet.

Ich habe mir aus dem 2019er Jahrgang fünf Knäuel Jacob geschnappt und nachdem ich sie einige Monate eifersüchtig gehütet habe zu einem Pulli verarbeitet. Dabei habe ich mich komplett von Emma inspirieren lassen. Die hat aus ihrem Jacob Garn den Scéal Grá Pulli [Achtung ravelry Link] von lbhandknits gestrickt und den fand ich so toll, dass ich ihr das nachmachen musste.

Der Scéal Grá wird nahtlos von oben nach unten gestrickt und hat eine schöne Lacepasse. Die ist nicht kompliziert zu stricken aber ein bisschen nervig, da man mehrfach drei Maschen zusammen stricken muss und das war irgendwie keine Freude. Aber durch die Lace-Passe ist man fix durch und dann wird nur noch glatt rechts gestrickt.

Der Pulli hat einen icord als Abschluss an allen Bündchen und ich war sehr skeptisch, ob das eine gute Idee ist. Ungespannt rollte sich der abgekettete Körper quasi bis auf Brusthöhe ein. Der fertige Pulli lies sich aber 1A spannen, das Garn ließ sich toll in Form ziehen und blieb auch nach dem Abnehmen so. Ich bin gespannt, wie sich der icord Abschluss am Körper verhält, wenn ich den Pulli einen ganzen Tag trage. Falls sich dann doch wieder was rollt habe ich schon den Tipp bekommen, von linke einen Kettstich gegenzuhäkeln. Das soll gegen das Rollen helfen.

Ansonsten finde ich den Pulli einfach nur traumhaft schön. Das Garn passt perfekt zu dem Design, die rustikale Wolle verträgt sich wirklich gut mit dem zarten Lacemuster. Beeindruckt hat ich, dass ich nur schlappe 343 Gramm für den kompletten Pulli gebraucht habe – obwohl ich Körper und Ärmel deutlich verlängert habe!

Wenn ihr den Pulli auch stricken wollt, empfehle ich euch, mit einem provisorischen Maschenanschlag zu starten. Mir war der Ausschnitt bei der ersten Anprobe zu weit, deshalb habe ich noch einmal Maschen aus der Anschlagskante aufgenommen ein zwei Runden mit ein paar Abnahmen gestrickt, damit der Ausschnitt etwas enger wird. Das hat gut geklappt und fällt auch überhaupt nicht auf, wäre aber mit einem provisorischen Maschenanschlag einfach viel schneller gewesen.

Das Jacob Garn ist für mich ein absoluter Traum. Es ist ziemlich robust und für viele wahrscheinlich zu kratzig. Es ist aber nach dem Waschen und Spannen deutlich weicher geworden und ich kann den Pulli gut am Körper tragen (ich ziehe nur ein Unterhemd drunter, nix langärmeliges) – und durch das Tragen und die Körperwärme wird das Teil noch mal weicher und angenehmer.

Der Pulli ist einfach so leicht (ich wiederhole noch einmal: sagenhafte 343 Gramm) und trotzdem super warm! Dadurch, dass das Garn etwas robuster aus ist es ach deutlich strapazierfähiger als zum Beispiel feine Merino-Wolle. Es hält mehr aus, wird länger halten und wenig bis gar nicht pillen. Das ist der Vorteil solcher Garne. Wer sehr empfindlich ist, könnte daraus auch eine Jacke oder einen Pulli stricken, den man über einen zweiten Kleidungsschicht trägt – als Outdoor Klamotte. Ich liebe das Garn zumindest sehr. Für Instagramm habe ich übrigens ein Tragevideo von dem Pulli gemacht, in dem ich auch mehr über das Garn erzähle. Wenn es euch interessiert, könnt ihr es euch hier angucken (man braucht dafür keinen Instagram Account): KLICK.

Verlinkt bei: Creadienstag, Handmade on Tuesday, Dings vom Dienstag, Lieblingsstücke

3 Kommentare

  1. Der Pulli ist ein Traum! Diese „auf den ersten Griff kratzig“ Erfahrung hab ich auch schon mit handgesponnen Garnen gemacht und bestätige Dein Empfinden nach dem Tragen. Ich finde, dass selbst sehr robuste Garne sich nach mehrerem Tragen deutlich angenehmer anfühlen!

    • Genau das. Die muss man erst irgendwie „eintragen“ :D oft reicht es auch schon, dass der Pulli die Körpertemperatur annimmt, dann ändert sich das Tragegefühl schon signifikant.
      Ich will dieses Jahr auch unbedingt einen Pulli aus Lopi stricken. Die sollen ja mit den Jahren auch immer weicher werden. Ich bin sehr gespannt!

  2. Liebe Steffi,

    der Sweater ist ein Traum und die Infos zum Jacobsschaf sind sehr interessant, ich wusste bis her nicht, dass Schafe mehr als 2 Hörner haben können.
    Liebe Grüße Siggi

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