Neuland – Mal was mit Reißverschluss

Könnt ihr euch noch an die JAKKE von EvLi’s Needle erinnern, die ich Ende September genäht habe? Ein tolles „mal eben schnell überwerf-Teil“ perfekt für die Übergangszeit. Da es aber mit strammen Schritten auf den Winter zugeht und Berlin sowieso immer zu arktischen Temperaturen tendiert, habe ich beschlossen, mir ein etwas kältetauglicheres Exemplar der JAKKE zu nähen.

Der erste Unterschied: Das Material. Ich habe zum ersten Mal angerauhten Wintersweat verarbeitet. Bestellt habe ich ihn bei Schnuckidu, die ganz viel unifarbenen Sweat zu recht günstigen Preisen hat. Der Stoff fühlt sich auch total schön und weich an – allerdings haben einige Farben beim Waschen wirklich extremst gefusselt. Also wirklich extrem! Habt ihr schon mal Cordstoff gewaschen? Das mal zehn – so kam es mir jedenfalls vor. Der beste aller Lieblingsmenschen hat mir dankenswerter Wese heldenhaft beim entfusseln von 4 Metern Sweat geholfen. Ansonsten würde ich wahrscheinlich heute immer noch entfusseln. Mehr als zwei Fusselrollen haben wir dafür verbraucht! Da ich Sweat noch nie verarbeitet habe, weiß ich nicht, ob das normal ist oder mit der Qualität des Stoffes zusammenhängt. Aber da eine Farbe kaum und andere dafür umso mehr gefusselt haben, vermute ich fast, dass es eine Qualitätssache ist. Auf alle Fälle werde ich beim nächsten Mal Sweat von einer anderen Bezugsquelle ausprobieren.

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Der zweite Unterschied: Ein Schließmechanismus. Um Jacken offen zu tragen ist es mittlerweile wirklich zu kalt, deswegen wollte ich meine zweite JAKKE schließen können. Daher habe ich mich heldenhaft an das Einnähen eines Reißverschlusses gewagt. Und was soll ich sagen: So schwer ist das gar nicht.

Für die JAKKE habe ich mir beim örtlichen Stoff & Stil einen 75cm langen teilbaren Reißverschluss besorgt. Um den einzunähen musste ich noch nicht einmal das Schnittmuster anpassen. Ich habe zunächst den Reißverschlusshälften jeweils rechts auf rechts an die Vorderteile der JAKKE genäht. Danach habe ich die Vorderteilbelege ebenfalls rechts auch rechts auf die Vorderteile genäht, so dass der Reißverschluss zwischen Vorderteil und Beleg eingefasst ist. Wenn man nun das Ganze wendet ist der Reißverschluss sauber eingefasst. Der Reißverschluss wird dann noch – zusammen mit dem Rest der JAKKE – knappkantig abgesteppt und das wars. Ganz einfach! Theoretisch.

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Starren Reißverschluss an dehnbaren Stoff zu bringen ist anscheinend nicht ganz so trivial, wie ich mir das vorgestellt habe. Mein erstes Resultat hat totale Wellen geschlagen und sah nicht besonders schön aus. Also habe ich das Ganze noch einmal aufgetrennt – und mich an ein Gimmick erinnert, das ich einmal zu einer Snaply-Bestellung dazubekommen habe: Das Wondertape. Das ist im Prinzip schmales doppelseitiges transparentes Klebeband, mit dem man kniffelige Stellen vor dem Nähen am Stoff festkleben kann, damit sich nicht verrutschen. Also perfekt für Reißverschlüsse!

Ich habe also den Reißverschluss mithilfe des Wondertapes rechts auf rechts an den Vorderteilen befestigt. Das war einfach und hielt auch wirklich gut. So weit, so gut. Beim Nähen hat sich dann allerdings herausgestellt, dass das Wondertape einen gewaltigen Nachteill hat: Es klebt! Das muss es ja auch, denn es soll ja Sachen am Stoff festkleben. Aber wenn man mit der Nadel durch das Tape näht, fängt diese auch an zu kleben. Und dann klebt der Oberfaden an der Nadel fest. Und dann wird das Stichbild recht unsauber. Das ist zumindest die Kausalkette, die sich bei mir ergeben hat. Da die Nadel nun eh klebte, habe ich mich durch das Wondertape gekämpft. Der Reißverschluss blieb dadurch auch schön, wo er war und hat auch nicht mehr so starke Wellen geschlagen wie vorher. Die Nadel konnte ich danach allerdings entsorgen. Ich weiß nicht, ob ich das Wondertape so schnell wieder einsetzen werde. Vielleicht übe ich lieber fleißig, Reißverschlüsse ohne Hilfsmittel an dehnbare Stoffe zu nähen.

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Am Ende bleibt: Die „bereißverschlusste“ JAKKE überzeugt mich, auch wennder Reißverschluss beim Tragen immer noch ein bisschen beult. Und die hält mich warm – und das war ja Sinnund Zweck der Übung. Die JAKKE ist wirklich ein super schön gemachter und durchdachter Schnitt, der dabei auch noch einfach nachzunähen ist. Der Wintersweat ließ sich gut verarbeiten und meine Overlock hat selbst bei vier Lagen mit Nähten nicht schlapp gemacht. Allerdings brauchte sie danach eine sehr gründliche Reinigung, denn das Zeug flust echt stark.

Ich bin jetzt jedenfalls gewappnet für die kälteren Berliner Tage und träume bereits von einer JAKKE aus Wollwalk…

Und diese JAKKE darf ab zum RUMS 🙂

2 Kommentare Gib deinen ab

  1. Anja sagt:

    Hallo….das „Wellenproblem“ beim Reißverschluss einnähen habe ich auch kennengelernt.
    Mit dem Wondertape geht es,wenn du es ganz an den Rand machst und daneben nähst (mit dem RV-Fuß oder seitlich gestellter Nadel).
    Aber der beste Tipp,den ich bekommen habe war,einfach eine dünne Bügeleinlage auf die vordere Kante zu bügeln.So kann sie sich nicht mehr verziehen und schlägt auch keine Wellen.
    Vor kurzem habe ich noch gelesen,dass das auch mit Stickvlies geht,welches man aufbügeln und nachher auswaschen kann.
    Ich hoffe,das hilft dir bei den nächsten wintertauglichen Jacken.
    LG,Anja

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    1. Liebe Anja,

      Danke für den Tipp! Das mit der Bügeleinlage werde ich auf alle Fälle beim nächsten Reißverschluss probieren. Das ist auf alle Fälle nicht so klebrig wie das Wondertape 🙂
      Liebe Grüße
      Steffi

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