Review: Spiralsocken von Bernd Kestler

[Werbung. Das Buch wurde mir als Rezensionsexemplar kostenlos zur Verfügung gestellt. Der Beitrag enthält Amazon Affiliate Links.]

Wer auf Instagram in der Strickwelt unterwegs ist, ist wahrscheinlich nicht drumum gekommen: Die Spiralsocken sind los. Grund für das Spiralsockenfieber ist das Buch von Bernd Kestler [Amazon Affiliate Link], das heute auf Deutsch erscheint. Bernd Kestler ist auch bekannt als Strick-Sensai, denn er ist ein deutscher Stricker, der schon seit vielen Jahren in Japan lebt und strickt und dort Kurse gibt und Anleitungen schreibt. Bernd ist ein wirklich spannender Mensch – und wer mehr über die Strickszene in Japan wissen möchte, dem lege ich unseren Frickeltalk mit ihm im Frickelcast ans Herz: KLICK.

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Bernd hat schon einige Strickbücher geschrieben, darunter eben auch das Buch „Spiralsocken. 36 Strick-Projekte für alle Größen“ [Amazon Affiliate Link], das in Japan schon ein ziemlicher Hit ist und vom Stiebner Verlag jetzt ins Deutsche übersetzt wurde. Spiralsocken – das muss ich vielleicht an dieser Stelle erklären – sind Socken ohne Ferse. Sie sind quasi ein langer Schlauch, den mit einer normalen Sockenspitze endet. Dadurch passen sie sich verschiedenen Schuhgrößen perfekt an und sind super einfach zu stricken. Das „Spiral“ kommt auch daher, dass das Muster bei den Socken traditionell immer in bestimmten Abständen versetzt wird, so dass es sich quasi wie eine Spirale um den Fuß windet.

Überblick

Das Buch [Amazon Affiliate Link] enthält, wie der Titel schon verrät, 36 Anleitungen für Spiralsocken bzw. andere Accessoires, die auf der Spiralsocken-Logik beruhen. Bernd geht dabei von einer Spiralsocken-Grundanleitung aus – basierend auf einem alten amerikanischen Patent aus dem Jahr 1921. Das fand ich schon ziemlich witzig, dass sich damals jemand die Anleitung für Socken hat patentieren lassen (und das Patent anscheinend auch angenommen wurde). Spiralsocken waren wohl besonders in Kriegszeiten populär, denn dadurch, dass sie keine Ferse besitzen und daher „immer anders“ angezogen werden (es gibt ja keine dezidierte Ober- und Unterseite), scheuerten sie langsamer durch, da nicht eine bestimmte Stelle immer besonders durch Reibung belastet wird.

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Im Buch stehen ganz klar die Anleitungen im Vordergrund. Es gibt keinen langwierigen Theorieteil, der erst einmal haarklein erzähl, wie rechte und linke Maschen gestrickt werden etc. So etwas mag ich ja bei Anleitungsbüchern immer nicht so. In diesem Buch ist die „wie stricke ich eigentlich welche Masche“ Thematik nach meiner Ansicht gut gelöst, denn sie wurde ans Ende des Buches verlegt. Als letztes Kapitel finden sich dort alle im Buch verwendeten Legendensymbole der Strickschriften erklärt und zu jedem Symbol wird in einigen Graphiken kurz gezeigt, wie man die entsprechenden Maschen strickt. Diese Lösung hat mir gut gefallen und die Zeichnungen sind meiner Ansicht nach auch klar verständlich.

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Im vorderen Teil des Buches gibt es nur zwei kurze Kapitel zur Wahl der Sockenwolle – die Muster wirken alle besonders schön mit selbstmusternder Sockenwolle – und der Stricknadeln und dann geht es schon los mit den Anleitungen.

Die Anleitungen

Wie oben schon gesagt liegt dem Buch [Amazon Affiliate Link] eine Basis-Spiralsocke zugrunde, die zu Anfang ausführlich erklärt wird. Alle anderen Socken und Projekte in dem Buch sind Varianten der Grundanleitung und zeichnen sich besonders durch auffällige Sockenschäfte und Bündchen aus. Bei der Grundanleitung wird auch erklärt, welchen elastischen Maschenanschlag Bernd gerne verwendet. Ich muss gestehen, dass ich hier an den Zeichnungen gescheitert bin. Ich habe einfach nicht verstanden, was man hier von mir will. Ich habe aber auch ein extrem schlechtes räumliches Vorstellungsvermögen und war mit den schlängelnden Pfeilen, die die Nadelbewegung anzeigen sollen, ein wenig überfordert. Ich habe mir dann aber erschlossen, dass hier einfach der norwegische Kreuzanschlag gezeigt wird. Denn kann ich, habe ihn aber anhand der Zeichnungen nicht erkannt. Das ist aber mein individuelles Problem und man kann ja auch einfach den elastischen Maschenanschlag nehmen, den man am liebsten mag.

Die Anleitungen selbst sind sehr einfach nachzuarbeiten. Bernd hat uns im Interview verraten, dass japanische Stricker*innen am liebsten nach Strickschriften arbeiten, deswegen gibt es in den Anleitungen viel Chart und wenig Text, was meinen Präferenzen sehr entgegen kommt. Die Charts sind ein wenig anders, als ich das von deutschen und englischen Strickschriften gewohnt bin. Damit meine ich nicht nur die verwendeten Symbole, sondern die Tatsache, dass durch die Strickschrift ein wenig die Maschen so nachgebildet werden, wie sie auf dem Strickstück aussehen.

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Abnahmen und Zunahmen werden durch abgeschrägte Kästchen dargestellt, die Symbole für abgehobene Maschen ziehen sich teilweise über mehrere Reihen – wie auch die abgehobene Masche in der gestrickten Socke. Das ist aber nicht schwierig zu verstehen – alle Symbole werden auch erklärt – ich fand es nur spannend, wie unterschiedlich Strickschriften in den verschiedenen Strickkulturen aufgebaut sind. Bernd hat uns erzählt, dass es in Japan sogar eine Art DIN- Norm für Stricksymbole gibt, damit diese landesweit einheitlich sind. Das würde ich mir manchmal für den deutschen Markt auch wünschen.

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Ich fand jedenfalls die Anleitungen sehr einfach nachzuvollziehen und denke, dass sie auch für Strickanfänger gut zu meistern sind.

Die Modelle

Ich war ja immer etwas skeptisch, was Spiralsocken angeht. Ich habe noch nie welche gestrickt, vertrete aber hartnäckig das Vorurteil, dass Spiralsocken nie im Leben so gut sitzen können wie Socken mit Ferse. Deswegen werde ich auch einige Socken aus dem Buch nachstricken, damit ich mein theoretisches, empirisch nicht geprüftes, Vorurteil in der Praxis testen kann.

Den Modell im Buch merkt man sehr deutlich an, dass Bernd eine große Freude am experimentieren hat. Im Interview hat uns Bernd erzählt, dass er nie nach Anleitung strickt sondern immer ausprobiert, was mit rechten und linken Maschen so alles geht.

Die Modelle im Buch wirken, wenn sie nicht am Fuß sitzen, teilweise ganz schön unförmig und seltsam. Erst angezogen zeigt sich, dass das Design durchaus Sinn hat und am Fuß gut sitzt und auch gut aussieht. Bernd hat sich einige abgefahrende Socken ausgedacht, wie zum Beispiel die „Spiky Socks“, die ein Zackenmuster am Bündchen haben, was unangezogen sehr witzig aussieht. Ich arbeite gerade an den „K-Ware“ Socken mit einem Wellenmuster am Schaft. Das wirkt ohne Fuß im Socken ein wenig so, als sei im inneren der Socke etwas geplatzt, aber angezogen hat der Sockenschaft etwas von diesen typischen Ballett-Stulpen. Unbedingt ausprobieren will ich auch noch die Cable Socks, das sind Socken mit einem Zopfmusterbündchen.

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Ich war ziemlich positiv überrascht von dem Buch, denn die enthaltenen Modelle sind mal etwas komplett anderes. Ich habe den Eindruck, dass der Trend in vielen Musterbüchern gerade zu möglichst „cleanen“ und aufgeräumten Modellen geht – und Bernds Socken sind hier das totale Gegenteil: Sie sind verspielt und vielfach auch ein wenig verrückt und man merkt finde ich deutlich die Freude des Autors am Designprozess und auch am Material selbstmusternder Sockenwolle. Dadurch ist das Buch erfrischend anders und ich hatte beim Durchblättern sehr viel Freude.

Außerde hat mir die Bandbreite der verwendeten Techniken gefallen: Von Zöpfen über Mosaikmuster bis hin zu Lace ist so ziemlich alles vertreten und dadurch auch für jeden was dabei – und durch die einfache Konstruktion auch eine gute Gelegenheit, Techniken einmal auszuprobieren.

Schön fand ich auch, dass es neben den Socken auch noch Handstulpen, zwei Mütze und – Achtung – Golfschläger-Cover gibt (Golf ist anscheinend in Japan Volkssport).

Das Buch

Wenn ich an diesem Buch etwas zu nörgeln habe, dann nur Kleinigkeiten. Ich finde es schade, dass die Sockenmodelle vielfach nur unangezogen fotografiert wurden – gerade weil sie ohne „Inhalt“ oft etwas unförmig aussehen. Hier braucht man etwas Fantasie, sich das Ganze getragen vorzustellen und ich glaube, manche Modelle würden dadurch auf manchen etwas ansprechender wirken.

Ganz furchtbar finde ich den Buchumschlag. Warum hier nicht einfach ein fester Einband, ein Softcover oder irgendwas gewählt wurde, sondern um den Einband noch einmal ein lammeliger Umschlag, erschließt sich mir nicht. Der ist total empfindlich und verrutscht ständig und ich habe lange überlegt, aber ein wirklicher Vorteil ist mir nicht eingefallen. Ich würde den Umschlag ja entsorgen, aber der darunter liegende Einband ist in schwarzweiß (!!!). Das muss man nicht verstehen, oder?

Fazit

Ich finde das Spiralsocken-Buch von Bernd [Amazon Affiliate Link] sehr gelungen – schon allein deswegen, weil es einfach mal was anderes ist. Ich hoffe ja auch ganz stark, dass es auch seine anderen Bücher auf den deutschen Markt schaffen werden, denn auch da sind einige abgefahrene Konstruktionen und Modelle dabei.

Wer Lust auf witzige, schnelle Projekte hat und gerne auch mal was Neues ausprobieren möchte, dem kann ich das Buch nur ans Herz legen. Und auch Sockenneulinge, die Angst vorm Fersenstricken haben, können sich mit Spiralsocken langsam an die Thematik „Socke“ herantasten.

Und für alle, die jetzt Lust auf Spiralsocken haben, verweise ich noch mal auf den Knit Along, der heute bei Frau Lilientinte startet: KLICK. Bis zum 25. März 2019 stricken wir zusammen Spiralsocken – es wird spiralisiert, wie ich immer zu sagen pflege. Und wer Lilientinte kennt, ahnt schon, dass es auch einige tolle Preise zu gewinnen geben wird. Ich stricke auf jeden Fall mit!

Überblick

Titel: Spiralsocken. 36 Strick-Projekte für alle Größen. [Amazon Affiliate Link]

Autor: Bernd Kestler

Verlag: Stiebner Verlag

Preis: 19,90€ (D)

Lieblingsstücke, Meine Fummeley

(after use, please put it backin its proper place)

Selber Stricken (2)

Selber stricken (1)

5 Kommentare Gib deinen ab

  1. verstrickt sagt:

    Ich bin echt angefixt und der Bestellfinger will unbedingt zucken
    Danke für die Rezession.

    1. Sehr gerne, freut mich immer, wenn ich spannende Sachen zeigen kann!

  2. Ich hoffe wirklich auf Übersetzungen seiner anderen Bücher! Spiralsocken kenne ich aus der Anfangszeit meiner Strickkarriere. Da habe ich mich nicht an Fersen getraut. Die Socken saßen aber immer ganz furchtbar. Das kann natürlich an meiner Fußform liegen, aber wenn ich schon Socken per hand stricke, dann müssen die auch sitzen. Mich würden die Modelle aus dem Buch daher primär für Armstulpen oder Beinstulpen interessieren. Auf die Spitze kann man ja leicht verzichten und die Muster sehen schon spannend aus :-) Das mit dem Einband muss man wirklich nicht verstehen. Vielleicht sollte das irgendwie hochwertiger wirken? Who knows…

    1. Jaaaaaa, die anderen Bücher müssen unbedingt übersetzt werden! Besonders scharf bin ich auf das Handschuhbuch – die Konstruktion sieht total spannend aus.
      Ich bin sehr gespannt, wie die Socken bei mir sitzen werden. Ich habe ja zu Beginn meiner Strickkarriere einen Schal gestrickt und dann direkt Socken mit Käppchenferse.
      Ich habe auch schon ein Paar Spiralsocken mit Ferse in Planung – kann man ja auch einfach einbauen. Und ja die Muster sind total cool.
      Den Umschlag und Einband muss man wirklich nicht verstehen. Seufz.

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