Meine Lieblingsdesignerinnen Teil 1: Nicht denken – Stricken!

Für diesen Blog habe ich mir überlegt, dass ich euch in unregelmäßigen Abständen meine Lieblingsdesignerinnen und –designer von Strickmustern vorstellen möchte. Ich habe gemerkt, dass ich in den letzten Jahren verstärkt auf einige wenige kreative Köpfe zurückgreife, wenn es um die Wahl des nächsten Projektes geht.

Vor allem beim Stricken von Kleidung hat das Vorteile. Es ist ein bisschen so, wie in einer langjährigen Partnerschaft: Man kennt sich, weiß die Vorzüge des anderen zu schätzen und kennt auch die ein oder andere Macke – und weiß, damit umzugehen. Bei meinen Lieblingsdesignerinnen (es sind tatsächlich nur Frauen darunter) weiß ich genau, wer immer Ärmel designt, die gewiss Elfen gut passen, die ich aber nicht über meine Oberarme gezogen bekomme – in diesem Fall passe ich von vorneherein die Anzahl der Ärmelmaschen an. Ich weiß auch genau, bei welcher Designerin ich die Kleidungsstücke grundsätzlich immer um x inch verlängern muss. Vor allem kann ich sehr gut einschätzen, welche Größe ich für meine Maße am besten stricke – sehr hilfreich, wenn man wie ich ein Totalverweigerer der Maschenprobe ist!

Die Dame, die ich euch heute vorstellen möchte, heißt Annamária Ötvös und kommt aus Ungarn. Auf ravelry findet ihr sie unter dem Nick pumpkin73. Dort hat sie auch eine eigene Gruppe, in der sich die Fans ihrer Muster austauschen können. Dort werden auch regelmäßig Teststrickerinnen für neue Entwürfe gesucht und Annamária gibt auch Hilfestellung, wenn man Fragen zu ihren Anleitungen hat. Letzteres tut sie wirklich sehr engagiert, was mich sehr beeindruckt. In einem Thread hat sie sogar extra für eine Fragestellerin Schemata gemalt und gepostet, um die Konstruktionsweise einer Anleitung zu verdeutlichen. Das ist ein Service, den ich bisher so noch nicht gesehen habe. Ihre Gruppe heißt „11 wild swans“.

Warum zählt Annamária zu meinen Lieblingsdesignerinnen? Weil ich ihre Konstruktionen einfach liebe! Ich habe bisher zwei Anleitungen von ihr nachgestrickt: Den Impromptu Cardigan und den Pullover Raspberry Tart. Gerade stricke ich den Pulli Unbound nach einer ihrer Anleitungen und bin wieder hellauf begeistert. Jedes der Kleidungsstücke, das ich bisher von ihr gestrickt habe, folgte einer anderen Konstruktionsweise was den Schulterbereich angeht (alles „top-down“ Konstruktionen). Keine war mir vorher bekannt, alle sind perfekt auf das jeweilige Design abgestimmt.

Beim Raspberry Tart, einem Pullover aus DK-Wolle, der durch seine auffälligen Zöpfe glänzt, sind die zunahmen für die Ärmel genial unauffällig in der Rundpasse versteckt. Der Pulli war mein erstes Design von ihr und schon hier ging es mir so, wie bei den anderen beiden Anleitungen später: während ich strickte konnte ich mir nicht vorstellen, dass aus dem Ding in meiner Hand mal was zum Anziehen wird. Für einige Strickerinnen ist das bestimmt etwas abschreckend (vielleicht haben sie aber auch ein besseres Vorstellungsvermögen als ich), aber ich mag es, wenn aus einem unförmigen Etwas ein Pulli oder eine Jacke wird.

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Beim Impromtu Cardigan ist die Schulterkonstruktion meiner Meinung nach auch genial ins Design integriert. Man startet, indem man zwei gerippte Dreiecke strickt. Aus den langen Seiten der Dreiecke werden jeweils Maschen für Vorder- und Rückenteil aufgenommen. Für den Rücken nimmt man dann noch zusätzlich Maschen auf, um zwischen den beiden Dreiecken noch ein bisschen „Strecke“ zu machen. Das Rippenmuster setzt sich dann in kleinerer Form auf den Ärmeln fort. Ich habe versucht, für euch eine Detailaufnahme eines solchen Dreiecks zu machen:

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Der Unbound,den ich gerade stricke, ist wieder ganz anders konstruiert. Hier schlägt man die Maschen für beide Ärmel und das Rückenteil gleichzeitig an und strickt über alle Maschen in Reihen. Dabei werden Schultern und Ärmel an verschiedenen Stellen mit verkürzten Reihen geformt. Wenn man einen halben Ärmelumfang fertig hat, werden die Maschen stillgelegt und aus der Anschlagkante jeweils Maschen für die Vorderteile und die jeweiligen Ärmel aufgenommen. Die Ärmelmaschen von Vorder-und Rückenteil werden anschließen mit dem three-needle-bind-off geschlossen. Ich bin von dieser Konstruktion wirklich sehr begeistert und bin gespannt, wie der fertige Pulli sitzt!

Die Strickmuster von Annamária sind für mich immer wie ein kleines Abenteuer, weil ich beim Kauf nie weiß, was mich stricktechnisch erwartet. Und genau das macht sie für mich zu einer so tollen Designerin! Mal was anderes ein langweiliger Raglan von oben. Für mich gilt bei ihren Anleitungen immer: Nicht nachdenken, einfach stricken und tun, was da steht, dann wird was Schönes draus!

Aufgrund der etwas „anderen“ Konstruktionen sind die Klamotten-Anleitungen von Annamária etwas umfangreicher. Beim Unbound zum Beispiel habe ich gerade erst das zweite Vorderteil aus der Anschlagkante aufgenommen und bin schon auf Seite 6. Insgesamt hat die Anleitung elf Seiten – sobald man sich durch die Schulter-/Ärmelpartie gewurschtelt hat, geht es in der Regel „konventionell“ weiter. Ihre Anleitungen sind sehr sorgfältig und für meinen Geschmack auch sehr klar verständlich geschrieben. Man muss allerdings Strickenglisch verstehen – es ist sehr viel Text, weil viele Reihen einzeln beschrieben werden müssen.

Wen das nicht abschreckt, dem kann ich Annamária nur sehr ans Herz legen. Ich habe noch mindestens fünf Anleitungen von ihr auf meiner To Do Liste. Ihre Designs sind oft schlicht, mit einem gewissen etwas. Es sind auch einige Basics dabei, wie der Impromtu, der einfach ein toller „Überschmeiß-Cardi“ ist und einige gemütliche Oversize-Pullis, auf die ich momentan sehr stehe.

Wenn mein Unbound fertig ist, werde ich kurz berichten und zeigen, was ich da so gewerkelt habe.

Da ich ja noch neu in der Blogger-Welt bin, mal eine Frage an euch: Soll ich euch weiterhin Lieblingsdesignerinnen vorstellen? Und wer sind eure Lieblingsdesignerinnen und –designer? Was sollte ich unbedingt mal ausprobieren?

3 Kommentare Gib deinen ab

  1. Alex Breuer sagt:

    Ich hab deine erste Lieblingsdesignerin schon inspiziert, und das ein oder andere tolle Teil gefunden. Ich find gerade detaillierte Empfehlungen immer super! Also weiter so!!! Und schon mal vielen Dank für die Tips!

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  2. kristina sagt:

    Hey Steffi,

    mir gefällt dein neuer Blog super! Mach ruhig weiter mit den Designern, ich finde das Thema total spannend und jeder hat ja andere Lieblinge. Die vorgestellte Dame von diesem Beitrag kannte ich z.B. noch gar nicht und ich hab Spaß am Durchstöbern ihrer Patterns.
    Meine Lieblingsdesignerin ist Amy Herzog. Ich hab auch ihren Kurs „knit to flatter“ auf Craftsy gemacht und die ich muss sagen, die Frau weiß einfach, wie man Sachen strickt, die gut sitzen und zu einem passen sollen.
    Vielleicht hast du ja auch mal Lust ihre Patterns durchzuschauen 😉
    LG aus dem Norden
    Kr1st1na

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    1. Danke Dir Kristina!

      Den Amy Herzog Kurs bei Craftsy hab ich auch – nur noch nicht geguckt *hüstel* Ich hab auch die beiden Knit to Flatter Bücher von ihr. Da wollte ich auch unbedingt mal was draus stricken 🙂

      Lieben Gruß

      Steffi

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